Laudatio zur Ausstellungseröffnung in Lienz, 22. Oktober 2025
Durch Ausstellungen, wie diese erhalten besondere Projekte Sichtbarkeit im öffentlichen Raum – und leisten einen wertvollen Beitrag zur Architekturvermittlung. Doch auch hier braucht es einen genaueren Blick. Es ist mir wichtig, den Gesamtprozess in Erinnerung zu rufen – die meisten eingereichten Projekte entstanden als Siegerprojekte eines Architekturwettbewerbs.
Von der ersten Skizze bis zu jenem Moment, in dem die Abbildung des gebauten Raums auf einem Plakat verortet werden kann, vergehen oft viele Jahre.
Das Ergebnis ist ein gemeinsames Werk – an dem zahlreiche Fachplaner:innen mitgewirkt haben, um gemeinsam mit den Bauherren einen eigenen Weg abzustecken.
Es braucht viele Gespräche. Es braucht Achtsamkeit. Und oft auch Geduld – der finanzielle Rahmen stellt eine permanente Herausforderung dar, die bis zuletzt Spannung erzeugt. Dann sind die Handwerker:innen – deren handwerkliches Können schließlich in der Qualität des Gebauten sichtbar wird.
Am Ende entsteht ein Destillat – veredelt durch das Können, das Wissen und das Engagement vieler Beteiligter. Ein Destillat, das nun auf einem Plakat eingefangen ist. Diese Fülle an Destillate ist derzeit im Zentrum von Lienz zu sehen.
Die Ausstellung lädt ein, sich eines oder mehrere der Projekte auch vor Ort anzuschauen.
Denn: Architektur wirkt erst im Maßstab 1:1.
Erst im Erleben entfalten Gebäude ihre Tiefe, ihre Atmosphäre, ihre Wirkung.
Dann werden die Bilder lebendig. Dann entsteht eine emotionale und körperliche Wahrnehmung.
Dann kann der Raum sinnlich erfasst werden.
Erst wenn auch wir Architektinnen und Architekten über unser Tun reflektieren, können wir Erkenntnisse gewinnen.
Wenn wir Erkenntnisse haben, können wir unser Handeln verbessern.
Und wenn wir unsere Arbeit verbessern, verbessert sich unser Lebensraum – und unsere Verbindung zur Natur und Landschaft.
Dann ist Bauen nicht zwangsläufig eine Verletzung. Dann kann Architektur auch manche alte Verletzungen heilen.